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Demokratie und Informationsvermittlung im Internet? Eine Analyse der Onlineberichterstattung von ARD und RTL am Beispiel der Dienstwagenaffäre 2009.

Januar 12, 2010 Von: Sebastian Manthey Kategorie: MedienWatch, Medienblog Allgemein, News, PR, PR-Tipps, Schmuckstücke

Herzlich Willkommen im euen Jahr! Da ich mich längere Zeit nicht mehr gemeldet habe, gibt es nun umso mehr zu lesen. Das Thema: Demokratie und Informationvermittlung im Internet. Eine Arbeit, die ich im Dezember 2009 im Rahmen meines Studiums angefertigt habe (Note 1,0). Falls Interesse an weiteren Informationen besteht, dann einfach eine Mail schreiben. Falls jemand diese Arbeit Verwenden Möchte, bitte ich um eine Quellenangabe oder einen Verweis. (Copyright Sebastian Manthey).

Demokratie und Informationsvermittlung im Internet – Hausarbeit Sebastian Manthey

Lies den Rest des Eintrages →

Tipps für die tägliche PR-Arbeit (2): Die Pressemitteilung

Dezember 08, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: PR, PR-Tipps

Nach einer kurzen Pause, geht es nun wieder munter weiter auf dem PR-Medienblog. Das heutige Thema: Wie schreibe ich eine gute Pressemitteilung?

Eine durchaus berechtigte Frage, die oft über den Erfolg einer Nachricht entscheidet, schließlich bekommen Redakteure dutzende von Mitteilungen pro Tag. Es gilt also eine formal richtige, interessante und aus der Masse herausstechende Pressemitteilung zu schreiben, die alle wichtigen Informationen enthält und auch Lust auf mehr macht.

Das Wichtigste zuerst – Der Aufbau der Pressemitteilung

Der Aufbau einer Pressemitteilung folgt einem schlichten, aber auch strikten Prinzip: Das wichtigste, der wirkliche Kern der Nachricht, ist das erste, was der Redakteur zu Gesicht bekommt. Danach werden absteigend die sechs W-Fragen beantwortet: Wer, Wo, Wann, Was, Wie, Warum? Nebeninformationen und Ausblicke erscheinen immer erst in den letzten Sätzen der Pressemeldung.

In der Kürze liegt die Würze

Eine Pressemitteilung sollte prinzipiell nicht länger als eine Seite sein. Wer mehr schreibt läuft schnell Gefahr, dass seine Mitteilung ungelesen in den Papierkorb wandert. Das gleiche gilt auch für den Satzbau. Kurze Hauptsätze sind Trumpf. Die DPA sagt dazu, dass neun Wörter pro Satz ideal sind.

Mit Adjektiven sparsam umgehen

Jeder hat irgenden ein “innovatives” oder “neuartiges” Produkt. Deshalb sollte man mit diesen und anderen Adjektiven sehr sparsam und vorsichtig umgehen. Sonst verkommt die eigentlich neutrale (!) Mitteilung schnell zu einem Werbetext, der für den Journalisten uninteressant wird.

Zitate, Zitate, Zitate…

Um die Mitteilung ein bisschen aufzulockern und auch Umgangssprachliches oder bildhafte Redewendungen einzubringen eignen sich Zitate. So kann man beispielsweise die Geschäftsführung oder externe Experten zu Wort kommen lassen und diese auch im Nachhinein als Gesprächspartner anbieten.

Der Abbinder – “Pimp my Pressemitteilung”

Damit die Funktionsweise des Produkts oder der Dienstleistung nicht ständig wiederholt werden muss, packt man in der Praxis alle allegmeinen Informationen (Wie funktioniert XXX? / Was ist XXX?) in den so genannten “Abbinder”. So kann man sich in der Mitteilung auf die eigentliche Nachricht konzentrieren.

Apropos: Die “Nachricht” sollte auch einen echten Nachrichtenwert haben, denn nichts ist schlimmer als ein belangloser Anlass. So kann man beispielsweise über neue Produkte, neue Geschäftsführer, abgeschlossene Finanzierungsrunden oder Markterweiterungen schreiben. Dabei sollte aber auch die Frequenz der Mitteilungen beachtet werden. Jede Woche eine neue Mitteilung zu schreiben, kann viele Redakteure sehr schnell nerven. In der Praxis reicht eine Mitteilung pro Monat vollkommen aus… je nachdem wie die Nachrichtenlage im Unternehmen ist.

Der Aufhänger – “Texte die Bild-Schlagzeile”

Neben den ersten 3 Sätzen der Mitteilung ist die Überschrift das eigentliche Herz der Pressemitteilung. Sie sollte prinzipiell zum Schluss geschrieben werden und muss den “Knall-Effekt” haben. Dazu kann man sich gerne auch Anregungen bei der Bild-Zeitung holen. Auch hier gilt: sie muss kurz und provokant sein. Denn beim texten der Überschrift geht es hauptsächlich darum Aufmerksamkeit für den Rest der Pressemeldung zu erregen.

Den Pressekontakt nicht versenden

Wichtig: Ansprechpartner mit Telefonnummer und E-Mailadresse unter die Mitteilung schreiben. Dann können interessierte Journalisten bei eventuellen Fragen zurückrufen.

Das Versenden der Mitteilung

Heute ist die Versendung der Pressemitteilung per E-Mail gang und gäbe. Doch auch hier gilt es einige Dinge zu beachten. Manche Journalisten möchte die Mitteilung gern direkt in der E-Mail haben, andere bevorzugen einen Anhang als PDF. Außerdem muss die mühsam getextete und unglaublich spannende Überschrift der Mitteilung  in den Betreff (!), sonst landet die Mail ungelesen im Papierkorb. Der letzte Punkt den es zu beachten gilt: Fotos und größere Anhänge mit einem Datenvolumen von mehreren Megabyte sollten nur auf Anfrage des Journalisten geschickt werden.

Werden diese Tipps beherzigt, steht der erfolgreichen Pressearbeit nichts mehr im Wege. Vorausgesetzt man hat etwas Glück und dem richtigen Riecher für spannende Themen…

Die Medien, der Tot und der Fall Robert Enke

November 19, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: Medienblog Allgemein

Es ist ein besonderes Verhältnis, dass die Medien zum Tot haben. Er liefert ihnen das tragische Moment, den  so genannten „Human Touch“, der Auflagen und Einschaltquoten in die Höhe schnellen lässt. So ist es kaum verwunderlich, dass sich in den vergangenen zwei Wochen alles um den Suizid des Nationaltorwarts Robert Enke drehte. Es war DAS Thema. Nicht die Klimakonferenz in Kopenhagen, nicht die Studentenproteste oder der China-Besuch Obamas – höchsten die Schweinegrippe konnte eine ähnliche mediale Aufmerksamkeit auf sich  ziehen.

Es ist wichtig zu berichten, verstörend ist nur die Art der Berichterstattung

Um folgendes klar zu stellen: Es ist richtig und wichtig, darüber zu berichten. (In welchem Umfang sei erst einmal dahingestellt). Was an dem ganzen Fall unangenehm auffällt ist weniger das das Thema aufgegriffen wird sonder vielmehr die Art der Berichterstattung. Es ist die Art, die wieder einmal die Grenzen des guten Journalismus überschreitet. Neben den üblichen Verdächtigen (z.B. BILD und RTL) widmeten sich aber auch die öffentlich-rechtlichen Sender einer äußert emotionalen und intensiven Behandlung des „Falls Enke“.

Papparazzi und NonstopNews

Das Medienmagazin ZAPP vom NDR hat sich am Sonntag vorerst einen Beitrag zu den Ereignissen erspart. Lediglich in einen kurzem Kommentar wiesen Sie auf die teilweise erschreckenden Ereignisse, die sich rund um die Berichterstattung abgespielt haben hin.

Dabei gab es eigentlich eine ganze Menge zu berichten. Zum Beispiel von den Papparazzo, die Robert Enkes Witwe sogar bis auf den Friedhof verfolgten. Auch auf dem Spiegel prangt dieser Woche groß ein Foto des verstorbenen Nationaltorhüters auf dem Cover. Sogar die ARD übertrug die Trauerfeier aus Hannover 75 Minuten lang live – 7 Millionen Zuschauer soll die Übertragung gehabt gaben. Viele Fernsehsender nahmen kurz nach Bekanntwerden des Selbstmordes das Angebot des Presseservice NonstopNews an und kauften Aufnahmen, die Theresa Enke bei der Ankunft am Unfallort, fragend nach ihrem Mann zeigen. Mindestens das ZDF, RTL und Kabel 1 zeigten auch die Szene— ProSieben sogar unverpixelt, mit Ton und Untertiteln.

Der Werther-Effekt

Folge der Berichterstattung: der so genannte Werther-Effekt. Wie Stefan Niggemeier auf seinem Blog eindrucksvoll recherchiert hat, besteht eine Korrelation zwischen der Berichterstattung der Medien und der realen Selbstmordrate: je umfangreicher und frequentierter das Thema von Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen aufgegriffen wurde, desto höher schoss die Selbstmordquote in nur kurzer Zeit. Niggemeier bezeichnet das Ganze im ersten Satz seines Posts folgendermaßen: „Die Medien arbeiten seit einer Woche daran, die Zahl der Selbstmorde in Deutschland in die Höhe zu treiben. […] Selbstmord ist ansteckend.“

Dabei haben verschiedene Studien einige der Faktoren ausmachen können, die dafür sorgen, dass die Selbstmordrate  nach Berichten über Suizide steigt. Dazu gehören unter anderem:

-          Die Prominenz des Opfers

-          Die  Prominente Berichterstattung auf der Titelseite

-          Der Mediale Fokus über mehrere Tage oder sogar Wochen

-          Die Genaue Beschreibung von Ort und Methode des Suizid

-          Die Identifikation mit dem Opfer

Abseits der Sensationslust könnte durch die umfassende Berichterstattung und der Gefahren diese, auch eine Aufklärung über die Depression als Krankheit erfolgen. Ein gutes Beispiel dafür: der „Spiegel-TV“-Beitrag vom .. Hier wird zwar auch ausführlich auf den Selbstmord Robert Enkes eingegangen, aber in einer kontroverseren Weise berichtet, als es in den vergangenen Wochen üblich war. Neben der tragischen Geschichte werden hier Experten und Betroffene gezeigt, die über die Krankheit und ihren Ausweg aus der Depression sprechen. Ein positives Beispiel?

Schuldgefühle? Keine Spur…

Sein wir mal ehrlich, dass ist es auch nicht. Es sind gerade Selbstmorde von Menschen, wie Robert Enke,  die besonders viele Nachahmungstäter herausfordern. Sei es die Trauer um den Nationaltorwart oder die Tatsache, was für ein außergewöhnlicher Sportler oder Mensch er gewesen sein mag. Die Medien müssen sich daher die Frage gefallen lassen, ob das,  was sie in den vergangenen Tagen und Woche betrieben haben nicht doch gefährlicher ist, als sie zugeben möchten.

Ente oder Ernst – BILD-Boss Diekmann bloggt

November 12, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: News, Schmuckstücke

Seit nunmehr zwei Wochen betreibt Kai Diekmann, Chefredakteur der ausgezeichneten Qualitätszeitung “BILD”, seinen eigenen Blog. Warum er das macht? Nun, dass hat verschiedene Gründe. Unter dem Motto “Noch 100 Tage im Leben des BILD-Chefredakteurs” berichtet er von seinen Erfahrungen aus der 16. Etage des Axel-Springer-Hauses, erzählt aus seiner Vergangenheit, gibt Kommentare zu aktuellen Themen und postet lustige Bildchen. Alles natürlich aus der Ego-Perspektive.

Kai Diekmann, seit 2001 Chefredakteur der BILD und Hobby-Blogger | Foto: Philipp Neuhaus

Unter kaidiekmann.de feiert der 45-Jährige sich selbst und nutzt seine neue Plattform auch um die eine oder andere Abrechnung zu begleichen. 100 Tage soll das Blogexperiment insgesamt dauern, danach entscheidet der “verkannte” Chefredakteur (so bezeichnet er sich selbst), ob er weitermacht – und die Blogosphäre revolutionieren wird. In seinem Eröffnungsbeitrag vom 26.Oktober 2009  “3 Fragen an mich” bekennt er: “Ich bin einfach unheilbar eitel.” Das schizophrene Interview soll ein fester Bestandteil des Blogs werden und trägt den Untertitel: “Kurze Gespräche mit dem klügsten und einfühlsamsten Menschen, den ich kenne.” Auch der erste Menüpunkt des Blogs trägt den schlichten Titel: “Ich”.

Natürlich wird auf diesem Blog auch scharf geschossen: mal geht es gegen Diekmanns Lieblingsfeind, den „taz“- Anwalt Johannes Eisenberg, mal auch gegen die RTL-Moderatorin Inka Brause, die eine Beschwerde über die BILD nicht Diekmann, sondern gleich dem Presserat hat zukommen lassen.

Vielleicht nutzt er sein neues Hobby um sein Image ein wenig aufzupolieren. Schließlich ist er seit 2001 durch die schonungslose Berichterstattung und die skrupellose Behandlung der Privatsphäre von Tätern oder Opfern in der BILD immer wieder in die Kritik geraten.

Dazu ist auf Wikipedia ist zu lesen:

[…] Bild soll häufiger als andere deutschen Medien gegen grundlegende journalistische Prinzipien verstoßen. Die Behauptung, dass diese Verstöße gegen die Richtlinien des Pressekodexes vermehrt auftreten, seit Diekmann das Amt des Chefredakteurs von Vorgänger Udo Röbel im Jahr 2000 übernommen hat, wird mit einem deutlichen Anstieg der absoluten Anzahl der Rügen des Presserats gegenüber Bild in diesem Zeitraum begründet.

Fazit: Zumindest einen gewissen Humor und einen Sinn für Eigenironie scheint Kai Diekmann zu besitzen. Das macht ihn ja schon fast ein bisschen sympathisch, oder? Immerhin ist es doch ein mutiger Schritt und anscheinend kann es seinem Image auch nur förderlich sein – so tief wie es momentan unter dem 0-Punkt liegt. Die Antworten auf die wirklich unangenehmen Themen bleibt der BILD-Boss aber schuldig. Schade eigentlich…

Bleibt die Frage offen: Wie ernst meint Diekmann seinen digitalen Egotrip? Ein klares Argument gegen die Ernsthaftigkeit: Über seinen Shop, kann man “I love KD”-Hotpants käuflich erwerben…

P.S. In einem Punkt gebe ich mich mit Diekmann solidarisch – es heißt „der Blog“.

Imagepolitur für Silvio Berlusconi

Oktober 27, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: News, PR

Manchmal kann auch ein Medienmogul Imageprobleme bekommen. Diese Erfahrung musste zumindest Silvio Berlusconi in den vergangenen Wochen und Monaten machen, seines Zeichens italienischer Ministerpräsident und einer der reichsten Männer Italiens (Forbes). Das Problem dabei, nicht nur die Reputation Berlusconis, sondern auch die ganz Italiens hat unter seiner insgesamt 9-jährigen Regierung sehr gelitten. Der Politiker und Besitzer des Medienriesen Mediaset, ist zuletzt durch seine Affäre mit einer 18-jährigen sowie verschiedene Betrugsvorwürfe schwer in die internationale Kritik geraten. Aus den Newsrooms dieser Welt, ob Paris, Berlin, London, New York oder Tokyo hört man selten Gutes über den 73-jährigen.

PR gegen das schlechte Image

Silvio Berlusconi - Wikipedia

Doch Berlusconi hat anscheinend auch für dieses Problem die passende Lösung parat: eine Taskforce aus jungen Journalisten und Kommunikationsberatern, die den Ministerpräsidenten und ganz Italien wieder in das rechte Licht rücken sollen. Die italienische Tourismusministerin Michela Vittoria Brambilla erklärte in einem Interview mit der Tagesszeitung Corriere della Sera: „Die erste Aufgabe der Taskforce wird in der Überwachung der ausländischen Medienberichterstattung liegen.“ Beobachtet werden Tageszeitungen, periodisch erscheinende Zeitschriften, sowie TV-Berichte aller Art und das „von Japan bis Peru“. Nach dem aussortieren der schlechten Nachrichten, werde sich die Taskforce daran machen die Newsrooms dieser Welt mit „wahrheitsgetreuen und positiven Meldungen zu bombardieren“. Eine, wie Brambilla meint, durchaus notwendige Maßnahme, schließlich äußere sich das negative Image Italiens bereits in sinkenden Exportzahlen.

Weichspül-PR oder echtes Reputationsmanagement?

Ob das der Königsweg ist sei erst einmal dahingestellt. Der Fall ist aber ein sehr schönes Beispiel für kommunikative Torschlusspanik. Schließlich scheint dem italienischen Ministerpräsidenten sein eigenes Image und das seines Landes in den vergangen Jahren herzlich egal gewesen zu sein. Im Moment erweckt die ganze Aktion eher den Eindruck eines verzweifelten letzten Versuches, dass durch und durch ruinierte Image des italienischen Ministerpräsidenten wieder aufzupolieren. Bleibt die Frage ob das gewünschte Bombardement positiver Nachrichten auch so leicht umgesetzt werden kann oder genauso scheitern wird wie das umstrittene Immunitätsgesetz. Napoleon Bonaparte hatte bereits im 19. Jahrhundert gesagt „Vier feindliche Zeitungen sind mehr zu fürchten als 1.000 Bajonette“ und das nicht ohne Grund. Schließlich wird wohl kaum ein Journalist außerhalb der Fangarme des Mediaset-Imperiums auf diese Art der Weichspül-PR hereinfallen. Berlusconi, seine Berater und ganz Italien sollten sich lieber die Frage stellen, ob in den bösen Stimmen der Anderen nicht doch ein Fünkchen Wahrheit steckt.

Überschriften in der Krise? – Eine DGB-Studie und ihr absurdes Medienecho

Oktober 13, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: Medienblog Allgemein

Wie die WirtschaftsWoche heute berichtet, erregt eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Zeit große Aufmerksamkeit. Demnach sollen vor allem “Hochqualifizierte” unter der Jobkrise leiden. Die Studie wurde daraufhin in vielen Medien zum Thema gemacht. Das Problem: zu den “Hochqualifizierten” werden Abiturienten gezählt.

Natürlich springen viele Medien auf das Thema auf. Es ist gern gesehen, es passt zur Stimmung im Land. Getreu dem Motto “Bad News are good News”. Schock-Überschriften werden getextet: “Jobkrise jetzt auch bei Hochqualifizierten”, “Wirtschaftskrise zunehmend für hochqualifizierte Arbeitnehmer eine Bedrohung.” Oder um noch eine Schippe drauf zu legen: “Jobkrise trifft Hochqualifizierte am härtesten.” Auch Spiegel-Online titel “DGB sieht hohes Jobrisiko für Akademiker“. Wie wirken sich solche Überschriften auf den Leser aus? Er fühlt sich durch die Krise weiter verängstigt. Nicht einmal ein Studium schützt wohl noch vor der Arbeitslosigkeit.

Wo das Problem liegt? In der Betrachtungsweise der Medien. Die Studie des DGB trägt den Titel “Arbeitslosigkeit steigt bei Abiturienten überdurchschnittlich”. Allem voran macht sich der Rechtschreibfehler im ersten Satz der Studie nicht gerade positiv bemerkbar. Außerdem würde ich nicht soweit gehen und einen Abiturienten als “Hochqualifiziert” bezeichnen. Das sind doch dann schon eher Hochschulabsolventen, oder nicht?

Das Abitur oder auch allgemeine Hochschulreife genannt, ist ein erster Linie nichts anderes, als die Erlaubnis an einer deutschen Hochschule zu studieren – und eine Voraussetzung um später einen gut bezahlten Job zu haben. Laut DGB-Studie sollen sich die Arbeitsmarktchancen deutscher Abituren im Vergleich zu 2008 signifikant verschlechtert haben. Aus dieser Feststellung die Hypothese abzuleiten, dass die “Jobkrise bei Hochqualifizierten” oder “Akademikern” angekommen ist, wie die WirtschaftsWoche ganz richtig bemerkt, einfach absurd.

Die Krise ist da, die Krise ist schlimm, die Krise kostet Arbeitsplätze. Das ist Tatsache (glaubt man den Berichten). Schöngeredet werden muss sicher nichts, aber dem ohnehin schon schlechten Stimmung unter Großteilen der Bevölkerung sind solche “Überschriften in der Krise” sicherlich nicht förderlich…

Drei Tipps für die tägliche PR-Arbeit (1)

Oktober 09, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: PR-Tipps

PR ist ein täglicher Kampf um Aufmerksamkeit. Daher sollten bei der Kommunikation bestimmte Regeln beachtet werden, die sowohl Journalisten, als auch Presseverantwortlichen das Leben einfacher machen. Im Folgenden möchte ich dazu fünf Tipps für die tägliche PR-Arbeit geben.

1. KISS-PR: Keep It Short and Simple

Niemand mag komplizierte Erklärungen mit Fachbegriffen. Das ist langweilig und ganz und gar nicht mediengeeignet.

In einer Canon-Pressemitteilung vom 16.09.2009 heißt es beispielsweise:

Die Canon CX-1 ist eine kompakte und portable Netzhautkamera, die sowohl den mydriatischen als auch den non-mydriatischen Modus in einem Instrument kombiniert und auf Knopfdruck zwischen beiden Betriebsarten wechselt. Diese Funktion ermöglicht Einsparungen bei den Ausstattungsinvestitionen und bedeutet zusätzlich, dass mit dem gleichen System auf mehr als eine Krankheit hin untersucht werden kann. Hierzu zählen beispielsweise AMD (altersbedingte Makuladegeneration), Glaukom und diabetische Retinopathie. So lässt sich Zeit sparen und die Notwendigkeit wiederholter Untersuchungstermine vermeiden.

Alles klar soweit? Sicher nicht, denn wer bittschön soll damit etwas anfangen können? Ausgenommen der 0,1% der Bevölkerung, die sich damit auskennen. Das Motto muss lauten: “Sprechen Sie mit einem 3-jährigen” ( Jens-Uwe Meyer ). Denn bekannte und einfache Vergleiche machen das Verstehen – selbst von komplizierten Produkten – viel leichter. So könnte beispielsweise ein IT-Wartungsservice auch als “Hausmeister” für Ihren Computer beschrieben werden.

2. Das PR-Problem: Nachhaken okay, aber niemals nerven

Ich persönlich habe diese Situation schon oft erlebt. Es gibt eine spannende Nachricht aus dem Unternehmen zu melden. Eine Pressemitteilung wird geschrieben und an die passenden Ansprechpartner in Print- oder Onlinemedien geschickt. Nun ist es so, dass dies wahrscheinlich eine von 300 Pressemitteilungen war, die der jeweilige Journalist an diesem Tag erhalten hat.

Daher hake ich immer gern ein bisschen nach und versuche die lieben Kollegen, wieder auf die durchaus spannende und passende Nachricht aufmerksam zu machen. Dabei ist aber auch extreme Vorsicht geboten. Dezentes hinweisen in bestimmten Abständen von 3-4 Tagen ist okay. Wer aber fünf Mal am Tag anruft, kann davon ausgehen, dass seine nächste Pressemitteilung direkt im Papierkorb landet. Wenn auch nach dem 1. oder 2. nachbereitenden Telefonat nichts passiert, kann man davon ausgehen, dass die Nachricht für den Redakteur nicht interessant ist und sollte sich einfach damit abfinden. Schließlich wird es ja auch in Zukunft noch eine Menge zu berichten geben – und verbrannte Kontakte nützen niemandem etwas.

3. Ein gut sichtbarer  und strukturierter Pressebereich

Journalisten recherchieren, das gehört zu Ihrem Beruf (oder so sollte es zumindest sein). Ist ein Thema für sie  interessant, so stöbern sie meistens auf der Unternehmens-Hompage. Daher sollte der unternehmenseigene Pressebereich erst einmal gut auffindbar sein. Lange Suchereien mag niemand, besonders wenn man unter Zeitdruck arbeitet. Deshalb sollten alle interessanten Informationen, wie Geschäftsberichte, Pressemitteilungen, digitale Pressemappen oder auch Bild- und Tonmaterial leicht abrufbar  und vor allen Dingen auch auffindbar sein.

Ein Positivbeispiel: Hier springt der Pressebereich dem interessierten Journalisten schon fast von allein  ins Auge.

Was den Aufbau angeht, ist der Pressebereich der Deutschen Bank ein Positivbeispiel unter den deutschen Großkonzernen. Zwar lässt die Auffindbarkeit hier sehr zu wünschen übrig. Alles in allem, scheint die Struktur aber sehr gelungen zu sein. Sogar auf das eigene Twitter-Profil wird hingewiesen.

Das waren soweit auch die Tipps für dieses Mal. In der nächsten Ausgabe werde ich darauf eingehen, wie man am besten eine Pressemitteilung schreibt, was die Essenzen einer guten Story sind und warum Gründerwettbewerbe für die Start-PR, eines jungen Unternehmens unverzichtbar sind.

Der Kommentar: Lissabon die Zweite – Irland entscheidet über das Schicksal der EU

Oktober 03, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: PR

Der am 13.12.2007 unterzeichnete Vertrag von Lissabon sollte die EU demokratischer und handlungsfähiger machen, den Bürgern und nationalen Parlamenten mehr Mitspracherechte geben. Als einziges Volk waren die Iren im Juni 2008 dazu aufgerufen, an den Wahlurnen über den Vertrag abzustimmen – und entschieden sich dagegen. Bei einer anschließenden Befragung gaben viele Bürger an, den Vertrag nicht verstanden zu haben und beklagten einen „lack of information“, von Seiten der Europäischen Kommission sowie der irischen Regierung.  Diese Wochenende geht die irische Abstimmung über den EU Reformvertrag in die zweite Runde. Ob und wie die Öffentlichkeitsarbeit der EU und der irischen Regierung sich im Vergleich zu 2008 verbessert haben, wird sich bereits in wenigen Stunden zeigen. Heute um 11:00 hat die Auszählung der Stimmen begonnen.

Von der Montanunion zum Demokratieprojekt – Eine kurze Geschichte der EU

Quelle: WDR.de

Quelle: WDR.de

Im Zuge der letzten 52 Jahre hat sich die Europäische Union immer mehr von einem technisch-wirtschaftlich geprägten Staatenbund zu einem Verfassungs- und Demokratieprojekt mit staatsähnlicher Gestalt entwickelt. Von den  Römischen Verträgen 1957, der Schaffung der Europäischen Gemeinschaft sowie dem Maastrichtvertrag 1992, bis hin zum gescheiterten Verfassungsvorhaben 2005, haben sich im Laufe der erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung und Ausweitung der  Kompetenzbereiche Mängel am „supranationalen Staatenverbund Europa“ herausgestellt: die Rede ist vom Demokratie-, Legitimitäts-, Öffentlichkeits- und letztlich auch dem Kommunikationsdefizit der EU.

Wer versteht den Lissabon-Vertrag? – Das Kommunikationsproblem der EU

Der Integrationsprozess ist nach der Ablehnung des Verfassungsvertrages in Frankreich und den Niederlanden 2005 sowie dem „Nein“ der Iren zum  EU-Reformvertrag 2008 ins Stocken geraten. Die Europäische Union sieht sich einem wachsenden Akzeptanz- und Kommunikationsproblem gegenübergestellt und hat daher einen dringenden Handlungsbedarf.

Ein Umdenken das dringend nötig ist, denn vielen Bürgern fehlen grundlegende Kenntnisse darüber, was genau die EU ist und zu welchem Zweck sie handelt. Selbst wenn mehr Partizipationsmöglichkeiten, beispielsweise durch den Vertrag von Lissabon, geschaffen würden, wären viele EU-Bürger nicht in der Lage sie richtig zu nutzen. Ein weiteres Problem: Kommt es zu Volksabstimmungen über die Inhalte europäischer Politik, fallen diese meist negativ aus, denn vielen Bürgern ist auf Grund der schlechten Informations- und Kommunikationspolitik der Europäischen Union sowie der nationalstaatlichen Regierungen unklar, was genau in Brüssel verhandelt wird. Eine Entwicklung, die sich in einer sinkenden Unterstützung der Bevölkerung äußert. Hielten zwischen 1973 und 1991 noch etwa 63 Prozent der Europäer die EU allgemein für „eine gute Sache“, unterstützten  zwischen 1992  und 2004  nur noch 58 Prozent die Europäische Union (Mannheim Eurobarometer Trend File). Somit hat die EU selbst bei recht allgemeinen Fragen nur noch die Hälfte der Bevölkerung hinter sich – wodurch Abstimmungen zu speziellen Fragen der europäischen Politik zu einem risikoreichen Unterfangen werden können, wie erst 2008 die Abstimmung über den EU-Reformvertrag in Irland gezeigt hat.

Für die verschiedenen politischen Akteure stellen sich auf europäischer Ebene im Wesentlichen drei Herausforderungen für die Vermittlung ihrer Politik. Neben dem Desinteresse vieler EU-Bürger, erschweren auch das komplizierte politische System sowie die defacto nicht existente europäische Öffentlichkeit die Kommunikation zwischen Politik und Bürgern.

Lehren aus dem Debakel von 2008

Der negative Ausgang der Volksabstimmung in Irland 2008 war multikausal begründet. Zum einen, weil sich die Kommunikation von Seiten der irischen Regierung als schwach erwies und die verschiedenen Zwischenfälle sowie die Vertragsgegner im Allgemeinen, die Argumente der „Ja“-Kampagne entkräften konnten. Zum anderen, weil der Europäischen Union die Hände gebunden waren. Die Bemühungen der irischen Vertretung der Europäischen Kommission hatten kaum einen nennenswerten Einfluss auf den Ausgang des Referendums. Die Besuche verschiedener hoher Vertreter sowie der europaübergreifende Versuch, Druck auf Irland und die irische Bevölkerung auszuüben schlug fehl – und spielte den Vertragsgegner weitestgehend in die Karten. Denn diese waren stärker als erwartet aufgestellt und verstanden es, die Schwächen der Regierung gegen sie auszunutzen – wenn auch mit übertriebenen Argumenten und Falschaussagen. Der „Nein“-Kampagne gelang es besser als der Regierung die Menschen zu emotionalisieren und sie direkt anzusprechen. Daraus wird ersichtlich, dass das zentrale Problem der europäischen Kommunikation in der schlechten Koordination ihrer Maßnahmen liegt. Die Tatsache, dass viele der Nicht-Wähler 2008 wegen eines “lack of knowledge” (52 Prozent) nicht an der Wahl teilnahmen und 37 Prozent bekundeten, dass sie sich nicht informiert genug fühlten, stellt der bisherigen Informationspolitik – national oder supranational -  ein schlechtes Zeugnis aus. Auch dass ungefähr ein Viertel der befragten Nicht-Wähler kein Interesse an europäischer Politik hatte, stellt die Daseinsberechtigung der Irischen Referendums Kommission – deren erklärte Aufgabe es sein sollte, die irische Bevölkerung zum Wählen gehen zu motivieren – ernsthaft in Frage (Post-Referendum Survey in Ireland 2008: 8). So bleibt auf Grundlage der Ergebnisse des irischen Referendums festzuhalten, dass der bisherige Ansatz einer Kommunikationspolitik der Europäischen Kommission nicht greift – sei es der mangelnden Koordination zwischen EU und Nationalstaaten oder dem Versagen einer paneuropäischen Informationspolitik geschuldet.

Quelle: Spiegel.de

Quelle: Spiegel.de

Die Informationskampagne zum irischen Referendum 2008 hat gezeigt, dass sowohl die nationalstaatlichen Regierungen, als auch die Europäische Union selbst versuchen, das komplizierte Konstrukt „EU“ zu erklären – wenn auch nicht mit besonders großem Erfolg. Das Problem: Die Europäische Union steht den Volksabstimmungen weitestgehend machtlos gegenüber. Sie befand sich beim Referendum über den Lissabonvertrag in einem Dilemma. Einerseits galt es eine gewisse Neutralität zu wahren, da es sich um eine nationale Entscheidung handelte. Andererseits musste diese gegen das legitime, eigene Interesse am Ausgang der Abstimmung abgewägt werden. Daher konnte die Kampagne nur ansatzweise gelingen. Die vorgestellte Strategie und die Millionenbudgets Margot Wallströms konnten entweder nicht eingesetzt werden oder verfehlten ihre Wirkung. Das die irische Bevölkerung die Europäische Union zum Zeitpunkt des ersten Referendums für „eine gute Sache“ hielt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass das „Thema EU“ einfach schlecht vermittelt wurde – bzw. nicht verstanden werden konnte. Es entsteht  jedoch auch immer wieder der Eindruck, dass es den Bürgern nicht ausschließlich um die Inhalte des Vertrages, sondern auch um die Innenpolitik Irlands ging. Hat die irische Bevölkerung das Vertragswerk wirklich wegen entscheidender inhaltlicher Bedenken, wie die weitere Verlagerung von Kompetenzen Richtung Brüssel, dem Demokratiedefizit der EU oder aus Protest gegen die eigene Regierung abgelehnt, hätte wahrscheinlich jede noch so gute Informationskampagne nur wenig am Ausgang des ersten Referendums ändern können. Insofern muss auch die Frage gestellt werden ob der massive Druck, der vor, während und nach dem irischen Volksentscheid auf Irland ausgeübt wurde, ein zielführendes Mittel war oder die Situation nicht noch weiter verschlimmert hat.

Klappt es beim zweiten Anlauf? - 02.10.2009 Tag der Entscheidung für den Vertrag von Lissabon

Das zweite Referendum, welches dieses Wochenende durchgeführt wurde, bot  die Chance zur Verbesserung – einen Steigerungsbedarf gab es allemal. Entscheidender Erfolgsfaktor wird sein, ob es die Regierung und die Europäische Union dieses Mal geschafft haben, den Vertrag richtig und vor allem einfacher zu erklären. Die Komplexität der EU muss gelöst werden – soll die  Bevölkerung sie verstehen. Zudem müssen die Kampagnen besser abgestimmt und geplant werden. Prominente Sprecher – die keinen Druck ausüben – und weitere Schnittstellen zwischen Institutionen und Bürgern, können zudem einen Beitrag dazu leisten, das die Inhalte, Ziele und Funktion europäischer Politik besser verstanden werden. Die EU hat also mittel- oder langfristig keine andere Wahl, als sich zu einem noch stärkeren „État communiquant“ zu entwickeln – möchte sie von der Bevölkerung wahrgenommen, verstanden und geschätzt werden. Inwieweit dies gelungen ist, zeigt sich im laufe des heutigen Tages. Dann werden alle Stimmen ausgezählt und das vorläufige Schicksal des EU-Reformvertrages besiegelt sein. Entscheidender Faktor bei der Entscheidung wird diesmal wohl auch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise sein.

Sollten sich die Iren zum wiederholten Male gegen den Vertrag entscheiden, so wird der gesamte Ratifizierungsprozess in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten vorerst zum Stillstand kommen – wenn nicht sogar ganz ein Opfer des EU-Kommunikationsproblems werden.

Die Rezension: The European, Onlinemagazin mit europäischer Perspektive

Oktober 02, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: Medienblog Allgemein

Der erste Eindruck täuscht meist nie. So war es auch, als ich am Mittwoch – trotz Serverschwierigkeiten – die frischen Seiten des neuen Online-Magazins “The European” besuchte. Klare Strukturen, klare Inhalte. Alles klar. Oder? Die Seite besticht erst einmal durch ihre Aufteilung  und ihre Design. Dem europäischen Namen und dem Thema angepasst, hat das Logo die Farbe Blau. Die Struktur der Seite selbst unterteilt sich in Einsichten, Das Große Ganze, Köpfe, Debatten und Kolumnen.

Nachrichten mit einer europäischen Perspektive

Das neue Online-”Debattenportal” hatte im Vorhinein hohe Erwartungen geweckt. In einem Interview auf Kress.de, sagte Chefredakteur Dr. Dr. Alexander Görlach: “Bei The European sollen Entscheider zu Wort kommen, deren Stimmen wirklich wichtig sind”. So startete die Seite am 30. September mit Themen zur Bundestagswahl, zum Entertainment-Monopol von Disney und einer kleinen Kolumne über die Facebook-Zukunft – Was die Entscheider angeht, die ja von nun an zu Wort kommen sollen, zeigt The European eine beachtlich Liste mit bekannten Namen. Der Präsident der EU-Kommission Barroso, Christian Ströbele (Die Grünen) und ZDF-Intendant Markus Schächter, sie alle schreiben für The European.

Doch wer steckt eigentlich hinter dem Medium?

Die The European Magazine Publishing GmbH, wurde von Görlach gemeinsam mit Spreadshirt-Gründer und Internetunternehmer des Jahres 2007 Lukasz Gadowski gegründet. Nicht mehr Nachrichten sollen entscheidend sein, sondern dass, was die Nachricht bedeutet, so Görlach.  Nachrichten-Websites seien immer unfertig: “Das ist nicht cool”, sagte der frisch gebackene Chefredakteur im Kress-Interview.

Wo soll es mit The European hingehen?

Das selbst erklärte Ziel ist es, bis 2010 50.00 Unique Visitors erreicht zu haben. Ein taffes Ziel, für ein Nischenprojekt wie The European. Doch denke ich, dass das Debattenportal der neuen, alten Schule erfolgreich sein wird. Zwar besteht die Herausforderung darin, tatsächlich eine neue oder zumindest andere Debattenkultur im Netz zu schaffen und ein funktionierendes Geschäftsmodell aufzusetzen. Doch sind es genau die starken Meinungen, die sicher nicht jedem gefallen werden und genau deshalb das richtige Rezept sind, um ein starkes und erfolgreiches Magazin im Netz zu schaffen.

http://www.theeuropean.de

“Schweinegrippenjournalismus” – ProSiebenSat1 und WAZ gehen Harald Schmidt auf den Leim

Oktober 01, 2009 Von: Sebastian Manthey Kategorie: MedienWatch

Harald Schmidt ist wieder da. Nach seinem kurzen Intermezzo mit Oliver Pocher, flimmert das Urgestein der deutschen Polemik wieder über den Bildschirm. Wie ich finde konkreter, witziger und böser als je zuvor. Dabei nahm er sich Anfang September einem Thema an, das mich schon seit langem beschäftigt: dem “Schweinegrippenjournalismus”

Dieser grassiert schon seit einiger Zeit durch die deutsche Medienlandschaft. Sicher hat das Virus ein sehr gefährliches Potential. So grotesk es klingen mag, ist aber die „normale Grippe“ im Moment genauso bedrohlich.

Die „Schweinegrippe“ ist nichtsdestotrotz, seit ihrem ersten Auftreten im März 2009 für Journalisten ein dankbares Thema. Es polarisiert und es emotionalisiert die Bevölkerung. „Bad News, are good News“. Getreu diesem Motto verlief die Berichterstattung bei vielen deutschen und internationalen Medien. Die Bild und viele andere Zeitungen berichteten Wochenlang von der „Killergrippe“. Ein regelrechter Medienhype entstand, der den Lesern, Zuschauern oder Zuhörern suggerierte, dass dies ein ernstes Thema sei, eine verheerende Pandemie wie 1919 möglich schien. Noch heute sind in den Google-News Artikel mehr als 119 Artikel zu dem Thema gelistet, findige Geschäftsleute schlagen aus der Angst der Menschen Kapital, wie rechts in den Google-Anzeigen zu sehen ist.

Quelle: BILDblog.de

Comedian Jan Böhmermann hatte sich nun im Rahmen der Harald Schmidt Show vorgenommen, die geringe Hemmschwelle der Journalisten zum Thema H1N1 vorzuführen. Er gab sich als Schweinegrippen-Opfer „Rüdiger Alt“ aus, der von Freunden, seiner Nachbarschaft und sogar seiner Familie auf Grund seiner Erkrankung ausgegrenzt wird.

Böhmermann schrieb eine Pressemitteilung und telefonierte mit verschiedenen Redaktionen. Das Ergebnis: auf n24, Kabel 1, ProSieben und Sat.1 lief ein Interview mit dem vermeintlichen Opfer und zwar in den Prime Time-Nachrichten. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung gab dem fiktiven Rüdiger Alt sogar einen längeren Artikel, mit der Überschrift: “Wenn die Schweinegrippe einsam macht”.

Die Sat.1-Nachrichten berichteten - Quelle: Meedia

Peinlich, Peinlich. Nachdem vor zwei Wochen die Deutsche Presseagentur bereits im Fall „Bluewater“, einer Falschmeldung aufgesessen ist, sind zum wiederholten Male Profis auf eine inszenierte Story hereingefallen. Hustend und mit Mundschutz bewaffnet antwortete „Rüdiger Alt“ auf die Fragen der Reporter. Jetzt stellt sich die Frage, was die wohl gut ausgebildeten  Redakteure dazu bewogen hat, dem Ganzen auf den Leim zu gehen? War es die Nachrichtenarmut am besagten Tag? Der Themenhype?

Wohl ein bisschen von beidem. Denn In den Sat.1-Nachrichten lief die Geschichte an zweiter Stelle. Auf Recherche, so kommentierte Böhmermann in der Harald Schmidt-Show, hätten die Reporter wohl komplett verzichtet. Auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung hatte in einem eigenen Artikel kräftig auf die Tränendrüse gedrückt. In dem auch online zu findenden PR-Prachtstück „Wenn die Schweinegrippe einsam macht“, ist Folgendes zu lesen: “Wer die Schweinegrippe hat, so erlebte es jedenfalls der 33-jährige Rüdiger Alt, der wird gemieden, dessen Familie wird in Sippenhaft genommen, dessen beruflicher Ruf steht auf dem Spiel. Gegen diese Grippe-Diskriminierung will Alt mobil machen. Mit vier Leidensgenossen und vierzig Grad Fieber zog er zur vermutlich ersten Schweinegrippen-Demo nach Köln auf den Neumarkt.”

TV-Ausschnitt: Rüdiger Alt organisierte in Köln eine Schweinegrippe-Demo - Quelle: Meedia

Klingt ziemlich traurig die Geschichte… armer, armer Schweinegrippenjournalismus. Die Redaktion hätte lieber den Spruch beherzigen sollen „Komische Dinge, passieren komischen Menschen.“ – Denn komisch war es allemal, der Beitrag in der Harald Schmidt Show und ein Jan Böhmermann, der nicht nur die sensationslüsternden ProSiebenSat1-Nachrichten, sondern auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung zum Narren gehalten hat. Gesunder Menschenverstand hätte  beim verhindern der Falschmeldung wahrscheinlich auch schon ausgereicht, denn welcher zu 100% bestätigte Schweinegrippen-Patient würde schon frei über die Straße laufen, geschweige denn mit 40 Grad Fieber demonstrieren gehen?